Praxis für Zahnheilkunde Dr. Joachim Rauch

Prophylaxe

Mundgeruch (Halitosis)

Einleitung

Mundgeruch wird in der Literatur durch verschiedene Begriffe wie Halitosis, Foetor ex ore oder bad breath charakterisiert. Obwohl viele Menschen unter Mundgeruch leiden, wird dieses Thema leider sehr stiefmütterlich behandelt. Dabei nimmt die Zahnarztpraxis bei der Behandlung der meisten Fälle eine wichtige Schlüsselrolle ein.

Ursachen

Hartnäckig hält sich die Ansicht, dass hauptsächlich Erkrankungen des Magens für Mundgeruch verantwortlich sind. Man kann jedoch davon ausgehen, dass in etwa 80-90% der Fälle die Ursache für die Halitosis im Bereich der Mundhöhle zu suchen ist. Geruchsquelle sind Bakterien, die organische Substanzen aus Speichel, Nahrungsresten, Blut usw. zu bestimmten chemischen Verbindungen abbauen. Die verursachenden Bakterien können sich in "Schlupfwinkeln" der Mundhöhle, wie z.B. Zahnzwischenräumen, parodontalen Taschen und überstehenden Rändern von Füllungen oder Kronen befinden. In den meisten Fällen spielen jedoch Beläge auf dem hinteren Anteil der Zunge die wichtigste Rolle. Weiter begünstigende Faktoren sind ein verminderter Speichelfluss, Rauchen, Mundatmung, Schnarchen, Stress und Fastenperioden. Neben oralen Ursachen stehen an zweiter Stelle Erkrankungen aus dem HNO-Bereich. In seltenen Fällen kann sich hinter einer Halitosis auch eine Allgemeinerkrankung verbergen.

Tabelle: Ursachen von Mundgeruch

Mundbereich Zungenbelag, mangelnde Mundpflege, Parodontitis, Akut nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (ANUG), trockene Alveole, Perikoronitis, "offene" Wurzelkanäle
HNO -- Bereich Tonsillitis, Sinusitis, infektiöse Mononukleose, Angina, Diphtherie
Sonstiges Lungenabszess, Diabetes, Urämie, Ösophagusdivertikel
Nahrungs- und Genussmittel (Rauchen, Alkohol, Knoblauch)
Schwefelhaltige Medikamente (Disulfiram, Dimethylsulfoxid)

Diagnostik

Eine mit dem Geruchssinn durchgeführte Untersuchung stellt das einfachste diagnostische Mittel dar, um zu prüfen, ob Mundgeruch vorliegt und wo dieser seinen Ursprung hat. Man hat zusätzlich versucht, Mundgeruch durch objektive Messungen zu charakterisieren. Es gibt inzwischen Tischgeräte, mit denen es möglich ist, die Konzentration flüchtiger Schwefelverbindungen direkt am Behandlungsstuhl zu messen. Das am weitesten verbreitete Gerät ist der Halimeter®.

Behandlung

Die Behandlung von Halitosis richtet sich nach der Ursache. Ist Mundgeruch vorhanden, wird er sich in den meisten Fällen durch eine Parodontalbehandlung, eine individualprophylaktische Betreuung und die Beseitigung des Zungengeruches eliminieren lassen. Dazu sollte die Zunge - wie in anderen Kulturkreisen üblich -- in die tägliche Mundhygiene einbezogen werden. Es stehen dafür verschiedene Zungenreiniger zur Verfügung, die täglich nach dem Zähneputzen anzuwenden sind.
Zungenreiniger sind in gut sortierten Apotheken, Drogeriemärkten und dem Prophylaxeartikel--Fachhandel erhältlich. Unterstützend können insbesondere zu Beginn der Behandlung auch chemisch wirksame Hilfsmittel verordnet werden. In kontrollierten Studien wiesen antibakterielle Mundspüllösungen eine mundgeruchreduzierende Wirkung auf, die über die nur sehr kurz und unzureichend anhaltende Wirkung aromatisierter Mundwässer hinausgeht. Chlorhexidin sollte wegen der möglichen Nebenwirkungen nur kurz zur Sicherung der Diagnose eingesetzt werden. Generell sollte der Behandlungserfolg empfohlener Maßnahmen in Folgeuntersuchungen kontrolliert werden.

 

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